Liebe Daniela,
danke für die spannende Frage! 🙂
Sowohl „frische“ Gefühle beeinflussen unsere Herzkohärenz, als auch alte, angestaute Gefühle.
Bei Letzterem gibt es Phasen, wo unser Nervensystem mehr in die Balance kommt, und dann wirken sich auch ungelöste schwierige Gefühle kaum negativ aus. Diese Zustände sind dann aber leider nicht von Dauer.
Die vermehrte Anspannung besteht tatsächlich nahezu dauerhaft (außer in sehr besonderen Situationen wie Urlaub/Retreat, s.o.). Sie sitzt sowohl in muskulärer Verspannung, in den Gelenken wie auch im autonomen Nervensystem.
Ein Forschungsbefund dazu zeigt, dass wenn wir Stress negativ bewerten (und nur dann) verengen sich unsere Adern. Das geschieht durch muskuläre Prozesse, wenn auch sehr feine. Und dies kann sehr leicht chronisch werden in der aktuellen Gesellschaft.
Eine sehr empfehlenswerte weitere Quelle ist das Buch von Peter Levine „Sprache ohne Worte“.
Er beschreibt, wie ein Nervensystem, in dem viele ungelöste Emotionen stecken, in einem viel schmaleren Band zwischen Ruhe und Aktivierung oszilliert. Ein „gelöstes“ Nervensystem hat ein größeres Potential zu (positiver) Aktivierung und danach – in leichtgängigem, fließenden Übergang – zu tieferer Ruhe.
Die Hintergründe der Herzkohärenz gehen somit auch auf die Zusammenarbeit zwischen unserem Sympathikus und unserem Parasympathikus zurück, die leider auch chronisch aus dem Gleichgewicht geraten können. Einer der vielversprechendsten Wege in die dauerhafte Regulation (dh dynamisches, freies, breites entspanntes Wechseln zwischen Aktivierung und Entspannung) zu ermöglichen, ist einerseits mit dem Vagusnerv zu arbeiten, und andererseits die ungefühlten Emotionen fließen zu lassen.
🙂 Ich liebe solche Fragen! Danke für die Vorlage zum „Wissenschafts-deep-dive“ ^^
Liebe Grüße,
Nathalie