Modul

Tag 3: Der taube Junge

Die Eltern sitzen nervös im Wartezimmer. Vielleicht hat es ja tatsächlich geklappt… Ihr Junge war taub geboren worden und erst vor zwei Monaten hatten sie von dieser neuartigen Behandlung gehört. 10% Wahrscheinlichkeit, dass ihr Junge würde hören können. Wie wundervoll wäre das!

Die Türe öffnet sich und der junge Arzt kommt freudestrahlend herein. „Herzlichen Glückwunsch! Ihr Junge gehört zu den 10%! Er wird nach einer Eingewöhnungszeit ganz normal hören können.“ Freudestrahlend schließen sie bald darauf ihr Kind in die Arme.

Doch in den nächsten zwei Wochen wird der Junge immer missmutiger, bis er schließlich richtig böse auf seine Eltern ist. Denn ihn hatte niemand gefragt, ob er hören können will.

Diese kleine Geschichte hat mich an zwei Dinge erinnert:

1.: Wir wissen oft gar nicht, was andere wirklich möchten und brauchen und stülpen unsere Vorstellungen recht vorschnell über sie drüber.

2.: Von wie viel Lärm wir umgeben sind! Und was der mit unserem Glück macht…

Übung: Dein Auszeit-Experiment

Deine Zeit für dich: 5-15 Minuten

Dein Glück: Ruhe, Stille, Ent-spannung, Durchatmen, Erholung

Deine Aufgabe: Schenke dir heute eine kleine Zeit in kompletter Ruhe. Kein Straßenlärm, keine Musik, kein Fernsehen, kein Handy, keine Gespräche. Gönn dir diese Erholungspause von dem konstanten Geräuschpegel und lass dein Nervensystem zur Ruhe kommen.

Tipp: Ich kann mir noch sehr gut an meine ersten 10 Minuten „Nichts-Tun“ erinnern – ich wurde unglaublich unruhig und nervös und habe ungeduldig auf den Wecker gewartet. Zugleich bin ich danach mit einer kleinen Erkenntnis aus ihnen hervorgegangen. Mir hat es in weiteren anfänglichen Versuchen sehr geholfen, diese Zeit als Experiment oder Spiel zu anzugehen. „Was wird das Nichts-Tun mir wohl heute zeigen?“

Die Achtsamkeitserfahrung „Ankommen“ vertieft auch heute wieder dein Entschleunigen und Bei-Dir-Sein:

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